In der Mediennutzung von Berlinerinnen und Berlinern finden sich bis heute Spuren der Teilung, wie auch in der gesamtdeutschen Mediennutzung. Das wird etwa in der Verbreitung von Tageszeitungen sichtbar, die aus der Zeit vor 1989 stammen. Das Projekt verfolgt die These, dass diese Unterschiede nicht allein aus der Zeit vor dem Mauerfall erklärt werden können, sondern vor allem aus der Zeit danach. Die Wende und Nachwendezeit bescherte den Menschen dieser Stadt entweder Lebensumbrüche oder weniger spürbare Veränderungen. In beiden Fällen ist davon auszugehen, dass Medienangebote eine wichtige Rolle spielten: dass sie genutzt wurden, um Einschnitte im Lebenslauf zu bewältigen oder um die Kontinuität von Alltag und Identität zu sichern. Die Medien wandelten sich in dieser Zeit jedoch auch selbst, bedingt durch politische Eingriffe oder wirtschaftliche Ziele. Im Zusammenhang von Nachwendebiographien und Mediennutzung dürfte ein Schlüssel für das Verständnis des problematischen (medialen) Zusammenwachsens liegen.
Das Projekt fragt danach, wie Menschen in Ost- und Westberlin Medien genutzt haben, um das Ende der Teilung ihrer Stadt zu verarbeiten und welche Rolle Medien über die Wendezeit hinaus im Leben von Ost- und Westberlin sowie für das Verhältnis der Berliner zueinander gespielt haben. Der Schwerpunkt der Studie liegt auf der Untersuchung von Funktionen, Nutzungspraktiken und Bewertungen medialer Angebote. Die Studie wird vor allem mit Leitfadeninterviews arbeiten, die Biographien vor 1989 ebenso einbeziehen wie heutige Mediennutzung.
Projektbearbeitung: