Das mediale Erbe der DDR https://medienerbe-ddr.de/ Akteure, Aneignung, Tradierung Wed, 01 Oct 2025 07:40:33 +0000 de hourly 1 https://medienerbe-ddr.de/wp-content/uploads/2019/03/cropped-LogoDDR_27mm-hg-weiss-32x32.png Das mediale Erbe der DDR https://medienerbe-ddr.de/ 32 32 Tagung: Erinnerungskultur im Wandel. 20. Juni 2025 an der FU Berlin https://medienerbe-ddr.de/index.php/2025/05/16/tagung-erinnerungskultur-im-wandel-20-juni-2025-an-der-fu-berlin/ Fri, 16 May 2025 08:18:53 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1704 Seit 2023 untersucht das Projekt „Museale Ausstellungspraxis und DDR-Geschichte“ Prozesse historischer Sinnbildung in Gedenkstätten und Museen. Die Tagung zum Abschluss des Projekts bietet eine Plattform für den Austausch von Ideen,... Read more »

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Seit 2023 untersucht das Projekt „Museale Ausstellungspraxis und DDR-Geschichte“ Prozesse historischer Sinnbildung in Gedenkstätten und Museen. Die Tagung zum Abschluss des Projekts bietet eine Plattform für den Austausch von Ideen, Konzepten und Erfahrungen aus den Bereichen Gedenkstättenpädagogik, Ausstellungspraxis, Geschichtsdidaktik und verwandten Disziplinen. Sie richtet sich an Wissenschaftler:innen, Praktiker:innen und Pädagog:innen, die sich mit den vielfältigen Herausforderungen im (musealen) Umgang mit DDR-Geschichte beschäftigen.

Die Tagung unter dem Titel „Erinnerungskultur im Wandel – Hegemoniale Perspektiven und Conflicting Memories in Museen und Gedenkstätten zur DDR-Geschichte“ findet am 20. Juni 2025 an der FU Berlin statt (Fabeckstraße 23-25, „Holzlaube“, Raum 2.2051).

Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 15. Juni 2025 an j.genten@fu-berlin.de

Programm

Marla Heid: Zwischen Utopie und Ernüchterung. Fotografische Narrative der Nachwendezeit als Spiegel sich wandelnder Erinnerungspolitik
Felix Ludwig: Wie memefähig ist die DDR? Herausforderungen digitaler Gedenkstättenarbeit
Moderation: Irmgard Zündorf

– Pause –

Theresa Hertrich und Jan Krawczyk: Quo vadis… DDR-Erinnerung in Hamburg?
Tom-Aron Aschke und Elke Neumann: Volksaufstand revisited? Das Lern- und Forschungsprojekt zum 17. Juni 1953 an der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Moderation: Juliane Brauer

– 12:00 Mittagspause –

Podiumsgespräch: Cornelia Chmiel & Julian Genten

Susanne Muhle: Ach, das ist der Checkpoint Charlie!? Geschichtsvermittlung am touristischen Hotspot und lang umkämpften Erinnerungsort
Ronda Ramm: DDR-Erinnerung aus dem Gefängnis heraus erzählen. Ethnografische Perspektiven am Lernort Keibelstraße
Moderation: Achim Saupe

– 15:00 Pause –

Christina Schwarz: Demokratiebildung an außerschulischen DDR-Lernorten. Zwischen Wertevermittlung und Eigensinn
Enrico Heitzer: Konfliktlinien und Leerstellen. Zum Umgang mit kritischen Perspektiven in der DDR-Aufarbeitung
Moderation: Martin Lücke

16:45 Schlussrunde

17:00 Ende

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„Wende-Bilder“ – Ein Rückblick auf die Podiumsdiskussion https://medienerbe-ddr.de/index.php/2025/03/21/wende-bilder-ein-rueckblick-auf-die-podiumsdiskussion/ Fri, 21 Mar 2025 20:40:12 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1669 Mit einer lebendigen Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wende-Bilder“ klang der erste Tag der Abschlusstagung des Forschungsverbundes „Das mediale Erbe der DDR“ aus. Der große Saal der Bundesstiftung Aufarbeitung füllte sich... Read more »

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Mit einer lebendigen Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wende-Bilder“ klang der erste Tag der Abschlusstagung des Forschungsverbundes „Das mediale Erbe der DDR“ aus. Der große Saal der Bundesstiftung Aufarbeitung füllte sich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen, Vertreterinnen und Vertretern aus Stiftungen, Verbänden, Gedenkstätten, Museen sowie gesellschaftspolitischen Bildungsinstitutionen – aber auch mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Im Mittelpunkt des Abends standen künstlerische Perspektiven auf die Jahre um 1989/90: Wie erinnern wir uns an die späte DDR, an die Transformationszeit, an den Umbruch? Welche Rolle spielen Bilder – Fotografien und bildende Kunst – in diesem Erinnerungsprozess? Nach einem Grußwort von Franziska Kuschel von der Stiftung Aufarbeitung, die auf die prägende Kraft visueller Medien für das kollektive Gedächtnis verwies, übernahm Uta Bretschneider, Direktorin des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, die Moderation.

Diskutantinnen und ihre Projekte

Die Protagonistinnen dieses Abends bringen unterschiedliche Perspektiven, Werdegänge und Herangehensweisen an das Medium Bild mit. Ihre Biografien zeugen von einer spannenden Bandbreite an Erfahrungen: Annett Jahn absolvierte eine Ausbildung zur Fotografin, arbeitete als Grafikerin und studierte Medienkultur, bevor sie sich freiberuflich zwischen Fotografie, Film, Text und Redaktion bewegte. Ulrike Mönnig, ursprünglich Architektin, fand über Grafikdesign und Fotografie ihren Weg ins Kulturmanagement und kuratiert heute Ausstellungen in der ACC Galerie Weimar. Michaela Mai vereint Kunstgeschichte mit Literaturwissenschaft und widmet sich als Wissenschaftlerin an der Universität Jena der Erforschung von künstlerischen Reflexionen der Wendezeit. Isabel Enzenbach und Anja Tack, beide Historikerinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am ZZF Potsdam, erforschen ostdeutsche Fotografie der 80er und 90er Jahre – mit Blick auf gesellschaftliche und biografische Umbrüche sowie Migration.

So unterschiedlich wie die Diskutantinnen sind auch ihre Projekte – sie verbinden Kunst, Geschichte und Gesellschaft auf ganz eigene Weise.

Annett Jahn und Ulrike Mönnig realisierten im Rahmen des Forschungsverbundes „Diktaturerfahrung und Transformation“ eine außergewöhnliche Kooperation zwischen Wissenschaft und bildender Kunst. Ihre Ausstellung „An den Rändern taumelt das Glück“ (ACC Galerie Weimar, 2022/23) versammelte 38 Fotografinnen und Fotografen sowie einzelne Filmschaffende mit über 300 Werken. Ergänzt wurde sie durch eine Filmreihe mit selten gezeigten Dokumentar- und Spielfilmen, ein Symposium zur Archivarbeit aus künstlerischer Perspektive, eine Satellitenausstellung mit privaten Sammlungsstücken und eine gleichnamige Publikation.

Michaela Mai untersucht im selben Forschungsverbund, wie Künstlerinnen und Künstler die ‚Wende‘ in ihren Werken verarbeitet haben – von der Krisenzeit vor 1989 über den Umbruch 1989/90 bis zu den Transformationsprozessen danach. Ihr Vergleich ostdeutscher Werke mit westdeutschen und internationalen Positionen zeigt Parallelen und Unterschiede im künstlerischen Umgang mit dieser historischen Zäsur.

Anja Tack und Isabel Enzenbach stehen mit ihrem Projekt „Das Weite suchen. 1985–1995. Fotografien eines Jahrzehnts in Ostdeutschland“ noch am Anfang, stellen aber bereits zentrale Fragen: Wie reflektierte die künstlerische Fotografie den gesellschaftlichen Wandel? Wie veränderten sich Themen, Motive und Arbeitsbedingungen mit der Zäsur 1989/90? In einem Spannungsfeld zwischen historischem Dokument und künstlerischem Ausdruck untersuchen sie, wie Fotografinnen und Fotografen kritisch auf die Gesellschaft blickten und „den Finger in die Wunde“ legten.


Um die Vielfalt der Themen zu strukturieren, setzt Uta Bretschneider drei Schwerpunkte: „Bild machen“: Wie entstehen Bilder – welche Motive, Orte und Akteure prägen sie? „Bild sehen“: Wie werden sie verbreitet und wahrgenommen? Und schließlich „Bild bewahren“: Wie werden sie erforscht und ausgestellt – und welchen Einfluss haben sie auf die Erinnerungskultur?

Wendebilder: Was zeigen sie?

Der Abend bietet einen facettenreichen Blick auf die fotografische Auseinandersetzung mit der Wendezeit – aus ost- und westdeutscher sowie internationaler Perspektive. Die Bilder erzählen von Arbeit und Arbeitslosigkeit, Umbruch und Konsum, Protest und Gewalt.

Ludwig Rauchs Brigade „Karl Marx“ (1986) zeigt ungeschönte Arbeiterporträts aus dem Berliner VEB Elektrokohle. Christiane Eislers Die Jugend der anderen (1982/83) rückt junge Menschen im Jugendwerkhof ins Bild – ein Beispiel für die zunehmende Auseinandersetzung mit Randgruppen in den 80ern. Peter Oehlmanns Bruchzeit (1991/92) kommentiert ironisch die Ankunft westlicher Konsumkultur, während Christiane Eisler in Luxus Arbeit (1990–92) Frauen in Industriebetrieben porträtiert, die sich in der Abwicklung befinden, und so den tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt dokumentiert. Gewalt und Rechtsextremismus unter jungen Menschen der 90er Jahre thematisiert Ute Mahler in Rostock (1992). Die gesellschaftskritische Perspektive und Haltung ostdeutscher Fotografie zeigt sich auch in den Serien, die die Wende selbst begleiten: Christina Glanz‘ 24 Frauen (1989–91) zeigt Demonstrantinnen am Rande des Menschenstroms, während Jörn Vanhöfen in Zwischenzeit (1989/90) die sich auflösende DDR in melancholisch-abstrakten, düsteren Bildern einfängt.

Alle Bilder sind Screenshots aus der Livestream-Aufzeichnung der Diskussion.

Blinde Flecken

Gab es etwas, das die künstlerischen Blicke auf das Ende der DDR nicht erfassten? Isabel Enzenbach sieht einen überwältigenden Bilderreichtum – für fast jedes Thema lässt sich ein Motiv finden. Viel spannender sei die Frage, welche Bilder dominieren und welche im Schatten stehen. Arbeit, Strukturwandel und Deindustrialisierung seien sehr präsent, ebenso wie kreative Ausdrucksformen für schwer greifbare Themen wie Abwanderung. Doch eines vermisst die Historikerin: Bilder, die die Perspektive der Betroffenen rechter Gewalt in den frühen 90ern einfangen – etwa von Vertragsarbeiterinnen und Schwarze Menschen in Ostdeutschland, die mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit konfrontiert waren.

Systembruch – Bruch in der Biografie?

Für viele Fotografinnen und Fotografen bedeutete 1989 Freiheit – aber auch einen tiefen Einschnitt in ihre Arbeit. Als scharfsichtige Beobachtende hielten sie den gesellschaftlichen Umbruch fest, dokumentierten soziale Spannungen und Veränderungen, erzählt Annett Jahn. Doch auch sie selbst standen vor einer neuen Realität: Ostdeutsche Fotografinnen und Fotografen mussten sich in einem neuen, fremden Markt behaupten, sich orientieren, neue Wege finden. In ihren Bildern spiegelt sich oft eine tiefe Desillusionierung. Doch nicht nur die Zäsur von 1989, sondern bereits die vorangegangene Stagnation der DDR wird in ihren Werken sichtbar: Die Hilflosigkeit dieser Zeit manifestiert sich in melancholischen Settings – menschenleeren Szenen, Spiegelungen und Blicken durch Glas und Fenster.

Ein weiblicher Blick auf 1989?

Lässt sich ein spezifisch weiblicher Blick auf die Wendezeit erkennen? Pauschale Antworten seien schwierig, meint Anja Tack, doch Gabriele Muschter, Kunstwissenschaftlerin aus der DDR, stellte 1989 fest: „Ja, Frauen fotografieren anders.“ In ihrer Publikation versammelte Muschter über 40 Fotografinnen, deren Werke oft intime Nahaufnahmen und Themen wie körperliche und seelische Verletzungen aufgriffen. Solche Motive finden sich allerdings auch bei ihren männlichen Kollegen. Interessanter sei, so Anja Tack, was nach 1989 mit diesen Fotografinnen geschah. Viele hatten bereits in den 80ern das Land verlassen – und nicht alle konnten in der BRD Fuß fassen. Nach der Wende wiederholte sich das Muster: Während einige ihre Karrieren fortsetzten, scheiterten andere am neuen Kunstmarkt. Neben familiären Verpflichtungen (Familienplanung und Care-Arbeit) war es oft die Herausforderung, sich selbst zu vermarkten – Galeristen und Ausstellungsorte zu finden, Sammler zu überzeugen, Sichtbarkeit zu erlangen. Diese Notwendigkeit, die in der DDR so nicht bestand, stellte für viele Frauen eine Hürde dar.

Als der „Freudentaumel“ vorbei war

Michaela Mai teilt ihre überraschende Erkenntnis: Der „Freudentaumel“, den viele mit der Wende verbinden, spiegelt sich kaum in den Kunstwerken wider. Im Gegenteil: Die Öffnung der Grenze, oft ein zentrales Thema der Erinnerungskultur, spielt in der Kunst eine eher untergeordnete Rolle. Stattdessen treten eine deutliche Verunsicherung und Skepsis zutage, vor allem bei den ostdeutschen Künstlerinnen und Künstlern.

Nach der Zäsur 1989/90 wird sichtbar, wie unterschiedlich die Themen gewählt werden. Künstlerinnen und Künstler aus Westdeutschland fokussieren sich stark auf die wirtschaftliche Transformation und den Wiedervereinigungsprozess im Allgemeinen, während ostdeutsche Schaffende vielmehr die individuellen Lebenswege und die neue Realität nach dem Umbruch thematisieren. Viele dieser „Umbruchsbilder“ gerieten in den 90er Jahren in den Hintergrund – sie passten nicht in das dominierende Narrativ von Jubel, Einheit und Errungenschaft. Michaela Mai beobachtet jedoch, dass diese Perspektiven in den letzten Jahren zunehmend in Ausstellungen zu finden sind, die ein breiteres Spektrum an Erfahrungen zeigen.

„Bildikonen“ – Was macht sie aus?

An diesem Abend wird auch die Frage nach den „Bildikonen“ aufgeworfen, den Bildern, die das kulturelle Gedächtnis prägen. Laut Ulrike Mönnig zeichnen sich Bildikonen vor allem durch ihre emotionale Aufladung aus – sie besitzen das Potenzial, über sich hinauszuweisen. Anja Tack ergänzt, dass wirklich gute Bilder nie „auserzählt“ sind; bei jeder erneuten Betrachtung entdeckt man was Neues. Sie vergleicht dies mit einer „freundlichen Begegnung mit guten alten Bekannten“, der man nie „überdrüssig“ wird. Ein Beispiel für eine solche Bildikone schlägt die Historikerin vor: „Fahnenflucht“ von Harald Hauswald, aufgenommen 1987 auf dem Berliner Alexanderplatz während der 1. Mai-Demonstration. Das Bild wird oft als „Sinnbild für den Niedergang der DDR“ interpretiert und beeindruckt durch Dynamik, Komposition und ästhetische Elemente.

Das bildliche Erbe der DDR – „Jeder bringt sich selber mit“

Ausstellungen zur DDR polarisieren. Annett Jahn und Ulrike Mönnig erinnern sich an Besucherreaktionen wie: „Das ist nicht meine DDR, das ist mir zu trist, es war doch auch bunt bei uns“ – oder das genaue Gegenteil: „Ja, genau so war es! Danke, dass ihr das so zeigt.“ Besonders spannend fanden sie nicht nur die Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern, sondern auch die Einträge im Gästebuch: Dort entspann sich ein kleiner Dialog, der zeigte, dass solche Bilder nicht nur Begegnungen ermöglichen, sondern auch das Wissen voneinander stärken und das Verständnis fördern – und damit einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog leisten.

In der anschließenden Fragerunde mit dem Publikum ging es um Wendebilder aus westdeutscher Perspektive, um die Sichtbarkeit von Bildern in den frühen 90ern und um die Rolle des zeitlichen Abstandes zu den Ereignissen. Auch Fotogenres wie Naturfotografie und Abstraktion kamen zur Sprache. Zum Abschluss bringt Uta Bretschneider es auf den Punkt:

„Das mediale Erbe der DDR ist so reich, dass es uns noch lange begleiten wird und uns noch viele bunte Veranstaltungsformate und Forschungsprojekte schenken muss.“

Die zweitägige Verbundtagung hat diesen Reichtum erlebbar gemacht.


Die Podiumsdiskussion wurde live übertragen, die Aufzeichnung ist auf dem YouTube-Kanal der Stiftung Aufarbeitung verfügbar: https://www.youtube.com/live/H_fNZsUNgbQ?si=gFBWIitiC9MLB4yo

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CfP: Erinnerungskultur im Wandel. Hegemoniale Perspektiven und Conflicting Memories in Museen und Gedenkstätten zur DDR-Geschichte https://medienerbe-ddr.de/index.php/2025/01/09/cfp-erinnerungskultur-im-wandel-hegemoniale-perspektiven-und-conflicting-memories-in-museen-und-gedenkstaetten-zur-ddr-geschichte/ Thu, 09 Jan 2025 15:11:18 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1635 Seit 2023 untersucht das Projekt „Museale Ausstellungspraxis und DDR-Geschichte“ Prozesse historischer Sinnbildung in Gedenkstätten und Museen. Die Tagung zum Abschluss des Projekts bietet eine Plattform für den Austausch von Ideen,... Read more »

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Seit 2023 untersucht das Projekt „Museale Ausstellungspraxis und DDR-Geschichte“ Prozesse historischer Sinnbildung in Gedenkstätten und Museen. Die Tagung zum Abschluss des Projekts bietet eine Plattform für den Austausch von Ideen, Konzepten und Erfahrungen aus den Bereichen Gedenkstättenpädagogik, Ausstellungspraxis, Geschichtsdidaktik und verwandten Disziplinen. Sie richtet sich an Wissenschaftler:innen, Praktiker:innen und Pädagog:innen, die sich mit den vielfältigen Herausforderungen im (musealen) Umgang mit DDR-Geschichte beschäftigen.

Die Konferenz findet am 20. Juni 2025 an der FU Berlin statt.

Den Call for Abstracts sowie weitere Informationen zu den thematischen Schwerpunkten der Tagung finden Sie unter diesem Link.

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Abschlusstagung: 20. – 21. Februar 2025 in Berlin https://medienerbe-ddr.de/index.php/2024/12/19/abschlusstagung-20-21-februar-2025-in-berlin/ Thu, 19 Dec 2024 10:37:14 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1608 Seit 2018 erforscht der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsverbund, wie Medien das Bild der DDR-Gesellschaft, der Repression und der individuellen Freiräume prägten und tradierten — sowohl... Read more »

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Seit 2018 erforscht der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsverbund, wie Medien das Bild der DDR-Gesellschaft, der Repression und der individuellen Freiräume prägten und tradierten — sowohl vor und als auch nach 1989.

Im Sommer 2023 startete „Das mediale Erbe der DDR“ in seine zweite Förderphase mit neun Forschungsprojekten. Im Mittelpunkt stehen Medien, die den gesellschaftlichen Wandel nicht nur abbilden, sondern ihn auch auf spezifische Weise mitgestaltet haben — darunter Musik (Schlager und DDR-Liedgut), erfolgreiche ostdeutsche Printmedien (Berliner Zeitung und SuperIllu), Fotografien sowie Museen, Bildungs- und Erinnerungsorte. Die Projekte verknüpfen individuelle Sinnbildung mit biografischen Erfahrungen und liefern zugleich wertvolle Handlungsempfehlungen für die Fachdidaktik und die politische Bildungsarbeit.

Am 20. und 21. Februar 2025 findet im Veranstaltungssaal der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur die Abschlussveranstaltung statt. Im Rahmen der Tagung präsentieren die Forscherinnen und Forscher des „Medienerbes“ die Ergebnisse ihrer Arbeit und treten in den Dialog mit Expertinnen und Experten aus Kunst-, Geschichts- und Filmwissenschaft, Soziologie, Geschichtsdidaktik und Museen. Bereichert wird die Tagung durch Vorträge externer Referentinnen und Referenten, darunter Vertreterinnen anderer Verbünde zur DDR-Forschung.

Auch die breitere Öffentlichkeit ist eingeladen zur Podiumsdiskussion am Donnerstagabend, die mit einem Grußwort der Bundesstiftung zur Aufarbeitung eröffnet wird. Im Fokus stehen künstlerische Reflexionen der späten DDR sowie der Umbruchs- und Transformationszeit – von Fotografie bis zur bildenden Kunst.

Teilnahme und Anmeldung

Die Tagung findet im Veranstaltungssaal der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur statt:

                Kronenstraße 5 • 10117 Berlin

Die Podiumsdiskussion am Donnerstagabend wird auch im Livestream übertragen:
Wende-Bilder. Künstlerische Blicke auf die Jahre um 1989

Die Teilnahme an der Tagung und/oder an der Abendveranstaltung ist offen für alle Interessierten und kostenfrei. Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 13. Februar 2025 per E-Mail an daria.gordeeva@ifkw.lmu.de.

Programm

Donnerstag, 20. Februar 2025

Geschichte erben. Die Medien und der Wandel nach 1989
Frank Bösch (ZZF Potsdam)

„Keine Ost-West-Konflikte“? Eine Nachwendegeschichte der Berliner Zeitung aus Redaktionssicht
Maria Löblich und Elisa Pollack (FU Berlin)

Der Aufstieg der SuperIllu
Tom Koltermann (ZZF Potsdam)

Kommentar: Stine Eckert (Wayne State University Detroit), Moderation: Mandy Tröger (Uni Tübingen)

– 14:45 Kaffeepause –

Erbe, Identität, Quote: Der ostdeutsche Schlager
Nikolai Okunew (ZZF Potsdam)

Kommentar: Marcus Böick (University of Cambridge), Moderation: Sylka Scholz (Uni Jena)

– 16:15 Kaffeepause –

‚Laboratorium der Einheit‘. Die Fusion des ost- und westdeutschen Radiojournalismus zum Deutschlandradio
Lena Herenz (ZZF Potsdam)

Kommentar: Sylvia Dietl (HHU Düsseldorf), Moderation: Martin Lücke (FU Berlin)

– 17:45 Pause –

Franziska Kuschel (Bundesstiftung Aufarbeitung): Grußwort

Michaela Mai (Uni Jena): Kunst zur ‚Wende‘-Zeit. Künstlerische Reflexionen des Umbruchs 1989/90 und der DDR-Transformation

Annett Jahn (Uni Jena) und Ulrike Mönnig (ACC Galerie Weimar): „An den Rändern taumelt das Glück.“ Die späte DDR in der Fotografie

Isabel Enzenbach und Anja Tack (ZZF Potsdam): Das Weite Suchen – 1985-1995. Fotografien eines Jahrzehnts in Ostdeutschland ausstellen

Moderation: Uta Bretschneider (Zeitgeschichtliches Forum Leipzig)

Freitag, 21. Februar 2025

Alltägliche Utopien in Filmdokumentationen der DDR-, Umbruchs- und Transformationszeit
Annette Weinke und Anne Barnert (Uni Jena)

Die DDR in fiktionalen Filmen
Daria Gordeeva (LMU München)

Kommentar: Matthias Steinle (University Sorbonne Nouvelle Paris), Moderation: Christoph Classen (ZZF Potsdam)

– 10:30 Kaffeepause –

Gegenwarts- und Lebensweltbezüge in DDR-Gedenkstätten
Julian Genten (FU Berlin)

Medienskepsis (Ost): Zentralisierung und Repräsentation
Lukas Friedrich (LMU München)

Kommentar: Kathrin Klausmeier (Uni Göttingen), Moderation: Irmgard Zündorf (ZZF Potsdam)

– 12:30 Mittagspause –

Erinnern im doppelten Umbruch. Die DDR im frühen Web (1990er-2000er)
Lea Frese-Renner (ZZF Potsdam)

Kommentar: Jörg Ganzenmüller (Stiftung Ettersberg Weimar/Uni Jena), Moderation: Jürgen Danyel (ZZF Potsdam)

– 14:30 Ende der Tagung –

Flyer

Kontakt

Organisation: Frank Bösch und Daria Gordeeva in Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund und mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung.

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Erklärung des ZZF-Teams zu den öffentlichen Äußerungen von Michael Meyen https://medienerbe-ddr.de/index.php/2023/08/14/erklaerung-des-zzf-teams-zu-den-oeffentlichen-aeusserungen-von-michael-meyen/ Mon, 14 Aug 2023 08:11:37 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1385 Hier geht es zum Statement der Potsdamer Projektgruppe.

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Hier geht es zum Statement der Potsdamer Projektgruppe.

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„Gibt es ihn, den Ost-Blick?“ Das Abendpodium im Potsdam Museum https://medienerbe-ddr.de/index.php/2022/07/26/das-abendpodium-im-potsdam-museum/ Tue, 26 Jul 2022 14:08:26 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1345 „Es war einmal… die DDR,“ lautete der Titel einer Abendveranstaltung, die den ersten Tagungstag abrundete. Das Podium war prominent besetzt: mit der Hörfunkjournalistin und Schriftstellerin Marion Brasch, der Fernsehmoderatorin Victoria... Read more »

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„Es war einmal… die DDR,“ lautete der Titel einer Abendveranstaltung, die den ersten Tagungstag abrundete. Das Podium war prominent besetzt: mit der Hörfunkjournalistin und Schriftstellerin Marion Brasch, der Fernsehmoderatorin Victoria Herrmann und dem Autor und Theaterintendanten Steffen Mensching. In der Diskussionsrunde gingen diese drei „Medienmenschen“ auf ihre Ost-Biografien ein, teilten Erinnerungen an die Transformationszeit und blickten auf Herausforderungen, vor denen die junge Generation heute steht. Die Kommunikationswissenschaftlerin Bianca Kellner-Zotz führte als Moderatorin durch den Abend. Der Historiker Nikolai Okunew, ein Experte für den Wandel der ostdeutschen Fernsehlandschaft, lieferte eine geschichtliche Einordnung. Ein Rückblick auf kein alltägliches Podiumsgespräch, bei dem es nicht nur um das einmal dagewesene Land ging, sondern auch um Gegenwart und Zukunft.

V. l. n. r.: Bianca Kellner-Zotz, Marion Brasch, Steffen Menschen, Victoria Herrmann, Nikolai Okunew
(Foto: Marion Schlöttke / ZZF Potsdam)

Der Saal des Potsdam Museums ist sehr gut gefüllt. Steffen Mensching betritt die Bühne, das Abendprogramm kündigt eine „Kunstperformance“ an. In Stand-Up-Manier erzählt Mensching Geschichten aus seinem Leben, die deutlich machen, dass zum Widerstand und Protest manchmal auch Anpassung, Kompromisse und Verbiegungen gehören und dass sich eine öffentlich geäußerte Kritik und Selbstzensur nicht gegenseitig ausschließen. Zwischendurch liest Mensching seine „Sieben Texte aus dem Osten“ vor. Dabei sind die Gedichte so kritisch-bissig und pointiert, dass viele kaum glauben, dass sie alle in der DDR abgedruckt werden durften.

Auf dem Podium geht es anschließend um den „Ost-Blick“ und die zentralen Fragen des Projekts „Medienmenschen“, das Bianca Kellner-Zotz verantwortet: Erinnern, beschreiben und interpretieren „Medienmenschen“ mit Ost-Biografie die DDR, die Wendezeit und die deutsche Wiedervereinigung anders als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen? Wie schlagen sich diese Unterschiede in ihrem Werk nieder? Können der Journalismus und die Kunst etwas zum Diskurs beitragen, etwas leisten, was insbesondere der Politik nicht gelingt?

Die kurze Zeit der Anarchie

Wenn Marion Brasch und Viktoria Herrmann auf ihre Ost-Biografie zurückblicken, rückt ein ganz bestimmter, prägender Lebensabschnitt in den Vordergrund: die kurze Phase der ungezähmten journalistischen Freiheit, die zwischen dem Rücktritt bzw. der Entlassung von Erich Honecker und der ZK-Sekretäre für Wirtschaft (Günter Mittag), Agitation und Propaganda (Joachim Herrmann) am 18. Oktober 1989 und dem Frühjahr 1991 lag. Dann wurde der Rundfunk auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in Strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems überführt.

Brasch, damals beim DDR-Jugendsender DT64, und Herrmann, Moderatorin der ersten Stunde bei Elf 99, der Jugendsendung des DDR-Fernsehens, schwärmen von einer Zeit des Selbermachens, in der Redakteurinnen und Reporteure ihren Traum vom „richtigen Journalismus“ erst einmal verwirklicht haben. Bei DT64 wurde die Intendantin abgesetzt, bei Elf 99 der Chefredakteur, „wegen Unfähigkeit.“ In der Elf 99-Sendung „Pickel, Pop und Politik“ wurde der Rücktritt vom Politbüromitglied Harry Tisch live auf den Weg gebracht. „Eine Demokratisierung, eine Revolutionsbewegung nach der Revolution,“ sagt Marion Brasch und erzählt vom Journalismus „auf Augenhöhe“ mit Hörerinnen und Hörern:

„Wir gehen für euch dorthin, wo es interessant ist, und erzählen euch davon.“

Ähnlich beschreibt auch Herrmann die damalige Arbeitsweise: „Wenn irgendwo was war, sind sie [Reporteure und Kameraleute] rausgefahren, dann kamen sie mit dem aktuellen Filmmaterial, das wurde geschnitten, und es ging auf Sendung.“ Keine Kontrolle, keine Partei- und Redaktionsaufträge, keine Abnahme. In das neu eingerichtete, mit West-Kameras aufgerüstete Studio von Elf 99 wurden Falco, Nena und andere Westbands eingeladen. „Das war wirklich eine paradiesische Zeit für uns alle,“ erinnert sich Brasch: ein „großes Kino.“ Schließlich wurde DT64 abgeschaltet, Braschs Brief an die Bundesregierung konnte dies nicht verhindern. Vom Umbruch spricht auch Victoria Herrmann:

„Das war für uns wirklich fantastisch, bis dann RTL kam. Und die haben uns dann reglementiert.“

In die Diskussion über diese „Zeit der Anarchie“ bringt Nikolai Okunew einen kritischen Kommentar aus der Perspektive eines Historikers ein:

„Ich will ein bisschen Wasser in den Wein kippen und sagen, dass das eigentlich in der Form nur schwer vorstellbar war, dass das fünf oder zehn Jahre so funktioniert, ohne Kontrolle, ohne Quoten usw.“

Steffen Mensching bezweifelt, ob man das nicht tatsächlich hätte durchhalten können, widerspricht und macht die Politik verantwortlich: „Das ist aus bestimmten Gründen verhindert worden.“ Man habe den Ostlern nicht zugetraut, aus der Erfahrung ohne „Rotlichtbestrahlung“ gelernt und Know-how aufgebaut zu haben. Stattdessen sei alles dem „West-Vorbild“ angepasst worden. Marion Brasch schlägt einen versöhnlichen Ton an: Es ist zwar schade, dass vieles, was gut gelaufen ist, nicht in das westliche Modell mitintegriert wurde. Aber es gebe ja Beispiele, dass eine aufgeklärte Form von Journalismus möglich ist, etwa auf ihrem Sender radioeins: „Es ist ja sehr viel von der DT64-Idee in dem, was wir heute machen. Der Geist ist schon da drin. Insofern sind wir die Sieger der Geschichte.

„Das bessere Deutschland“ und der Weg aus der Sackgasse?

Unterschiedliche Jahrgänge, Lebensläufe und Erfahrungen, aber mindestens eines haben die Medienmenschen auf der Bühne gemein: Sie halten die Idee hoch, mit der die DDR angetreten war.

„Eine Idee, ein Land aufzubauen, das anders ist, das bessere Deutschland,“

sagt Victoria Herrmann.

Steffen Mensching schlägt die Brücke in die krisenhafte Gegenwart: Vor allem die junge Generation müsse sich von der Illusion verabschieden, es werde jetzt immer so weiter gehen und die „Geldmaschine“ werde weiter funktionieren. Diese Generation werde sich auf ganz andere Fragen einstellen müssen, denn „die glücklichen Jahre“ des Expandierens seien vorbei. Wir hätten schließlich erlebt, wohin die neoliberale Logik und der freie, ungebremste Markt führten: „Das ist eine Sackgasse.“ „Gerade weil die Krise jetzt da ist,“ meint Mensching, „ist es notwendig, über Alternativen nachzudenken – und die DDR, der Sozialismus als solcher, war als Alternative gedacht.“ Dabei räumt er ein: „Er hat nicht funktioniert und ist zurecht abgewählt worden, weil er sich zu einem doktrinären, autoritären System verschiedener Couleur […] entwickelt hat.“

Deutungskämpfe

Hin und wieder gehen die Meinungen an diesem Abend weit auseinander, vor allem bei der Bewertung des „Vereinigungsprozesses“ und seiner Auswirkungen auf die Gegenwart. Führten die Umbruchserfahrung, die Arbeitslosigkeit und das Sich-neu-einrichten-Müssen dazu, dass Ostdeutsche für die Herausforderungen der aktuellen Krisen besser präpariert, ja „gewappnet,“ sind? Oder sei ihr „Reservoir an transformationsbedingtem Stress,“ wie Nikolai Okunew betont, erschöpft – und bedinge deshalb Frustration, anti-demokratischen Tendenzen und sogar Rechtspopulismus? Ist es gerechtfertigt, von einer „Übernahme“ zu sprechen? 

Während Okunew das Kolonialisierungsnarrativ problematisiert und auf die Wahlerfolge der Union im Osten hinweist, merkt Mensching an, dass die Ostler zwar für die Wiedervereinigung und die Währungsunion gestimmt haben, aber nie dafür, dass alle westlichen Verhältnisse in den neuen Bundesländern reproduziert und kopiert werden:

„Man hätte etwas einzubringen gehabt in diese Einheit.“

Die Erfahrungen, die man über 40 Jahre in dem anderen System gemacht habe, seien aber einfach ignoriert, sogar diskreditiert worden. „Das ist kolonial, das ist Dominanzverhalten, und das hat man praktiziert.“ Noch einmal die Brücke ins Heute: „Das fällt uns immer wieder auf die Füße: […] dass man seine eigene Meinung als einzig anerkennenswerte erstmal hinstellt. Diese arrogante Position ist äußerst gefährlich.“ Auch auf dem Podium kommen die bekannten Deutungskämpfe an die Oberfläche.

Die DDR als „universelle Weltgeschichte“

Soll man die DDR wie eine Dauerwelle rauswachsen lassen und nicht mehr darüber reden, um die Unterschiede zuzuschütten?, fragt Bianca Kellner-Zotz in Anlehnung an Alexander Osang und weiß eigentlich die Antwort: definitiv nicht. „Ich bin stolz darauf, in der DDR geboren zu sein,“ gibt Victoria Herrmann zu: „Ich habe einen Erfahrungsschatz, den man in Mannheim, Kiel oder München nicht sammeln konnte.“

„Es gibt nicht den Ost-Blick, aber ich habe meinen Ost-Blick,“

sagt Marion Brasch und macht damit deutlich, dass die Herkunft zwar einen Unterschied macht, doch die Kategorien „Ost“ und „West“ nicht ausreichen, wenn es um verschiedene Biografien und Wissensbestände geht. Nikolai Okunew greift am Ende der Diskussion diese These auf und plädiert dafür, all diese Erfahrungen ernst zu nehmen und dafür über weitere „Differenzkategorien“ nachzudenken:

„Es macht einen Unterschied, ob man schwarz oder weiß war, auch in der DDR, ob man Bausoldat war oder sich freiwillig länger bei der NVA verpflichtet hat, ob man in Rostock oder Rudolstadt gewohnt hat.“

Das Kapitel ‚DDR‘ ist somit nicht nur Teil der Familiengeschichte, die aufbewahrt und an künftige Generationen weitergegeben werden soll, sondern auch ein wichtiger Teil der Weltgeschichte. Wenn Steffen Mensching nach Südkorea eingeladen wird, um über die Deutsche Einheit zu sprechen und den Gastgebern damit zu helfen, sich auf die Vereinigung von Süd- und Nordkorea vorzubereiten – sollte diese jemals zustande kommen; wenn eine iranische Filmemacherin die Bücher von Marion Brasch ins Farsi übersetzen möchte, weil es „auch ihre Geschichte“ sei, – spätestens dann wird klar: Die Geschichte der DDR, ihres Anfangs und ihres Endes, gehört zu jenen „universellen Weltgeschichten,“ die bewahrt und mit Respekt und Zuhören immer weitererzählt werden müssen. Mit diesem Abendpodium und der dreieinhalbjährigen Projektarbeit leistete „Das mediale Erbe der DDR“ dazu seinen Beitrag.

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Abschlusstagung: 7. – 8. Juli 2022 (in Potsdam und online) https://medienerbe-ddr.de/index.php/2022/05/23/abschlusstagung/ Mon, 23 May 2022 07:42:05 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1308 Seit 2018 untersucht der Forschungsverbund „Das mediale Erbe der DDR“, wie Medien und Medienmenschen Vorstellungen über die DDR vor und nach 1989 formten, tradierten und wie diese angeeignet wurden. Museumsausstellungen,... Read more »

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Seit 2018 untersucht der Forschungsverbund „Das mediale Erbe der DDR“, wie Medien und Medienmenschen Vorstellungen über die DDR vor und nach 1989 formten, tradierten und wie diese angeeignet wurden. Museumsausstellungen, Schulbücher, Filme oder auch private Fotos und Musik prägen Erinnerungen und das Wissen über den Alltag der DDR-Bürger, über Freiräume und politische Repression. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rücken diese Medien in den Mittelpunkt und analysieren ihre Entstehung, Transformation und Nutzung.

Was unterscheidet eine Journalistin, die das Medienhandwerk in der DDR gelernt hat, von ihrer westdeutschen Kollegin? Wie haben DEFA-Regisseure die Transformationszeit bewältigt? Wie wurde der „Ostrock“ in den kapitalistischen Musikbetrieb integriert? Wie veränderte sich die Lebenswelt in den neuen Bundesländern, als bekannte Sendungen und Gesichter von Fernsehbildschirmen verschwanden? Welche Geschichtsbilder werden in sozialen Medien geteilt? Welches DDR-Bild vermitteln Schulbücher und Museumsausstellungen? Wie sieht die „DDR“ in Spielfilmen aus? Welche Erinnerungen hielten DDR-Bürger in ihren Fotoalben und Schmalfilmen fest? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, führt der Verbund drei Standorte zusammen – die LMU München, die FU Berlin und das ZZF Potsdam – und vereint drei Disziplinen: Geschichtswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Geschichtsdidaktik.

In einer Mischung aus kommentierten Vorträgen, Präsentationen und Podiumsgesprächen stellt der Forschungsverbund am 7. und 8. Juli 2022 die Ergebnisse seiner dreieinhalbjährigen Arbeit vor. Dabei treten Forscherinnen und Forscher des „Medienerbes“ in Dialog mit Expertinnen und Experten aus Kunst-, Geschichts- und Filmwissenschaft, Soziologie, Geschichtsdidaktik und Journalismus. In einer Abendveranstaltung diskutieren zudem ostdeutsche Medienschaffende mit Projektmitarbeiter:innen, darunter Schriftstellerin Marion Brasch, Fernsehmoderatorin Victoria Herrmann sowie Autor und Dramaturg Steffen Mensching.

Programm

Donnerstag, 7. Juli 2022

13:00 UhrBegrüßung und Einführung
Michael Meyen (München), Frank Bösch (Potsdam), Martin Lücke (Berlin)
13:15 Uhr Panel 1: DDR-Alltag im Museum
Der Blick in fremde Wohnzimmer
Lotte Thaa (Berlin)
„Ich hab’s gemütlicher in Erinnerung – und auch hübscher“. Inszenierung und Rezeption von Wohnen
in DDR-Museen
Julian Genten (Berlin)
Diskussion mit Florentine Nadolni (Leiterin Museum Utopie und Alltag), moderiert von Irmgard Zündorf (Potsdam)
14:30 UhrKaffeepause
14:45 UhrPanel 2: Die DDR in Fotoalben und im Internet
Bildermacher. Private Fotoalben in der DDR
Sandra Starke (Potsdam)
Erinnern im (medialen) Umbruch. Die DDR im Internet seit den 1990er-Jahren
Lea Frese-Renner (Potsdam)
Kommentar: Bernd Lindner (Leipzig)
16:15 UhrKaffeepause
16:30 Uhr Panel 3: Die DDR im Schulbuch
Die DDR im Geschichtsschulbuch – etwas Besonderes oder ganz gewöhnlicher Betrieb? Forschungsperspektiven im Vergleich
Christian Tetzlaff (München) im Gespräch mit Marie Müller-Zetzsche (Potsdam), Benjamin Reiter (Bamberg)
und Kai Krüger (Berlin)
17:30 UhrPause (Ortswechsel)
18:00 Uhr Kunstperformance und Podiumsdiskussion im Potsdam Museum
Begrüßung: Frank Bösch
Steffen Mensching: „Sieben Texte aus dem Osten“
Bianca Kellner-Zotz (München) und Nikolai Okunew (Potsdam) im Gespräch mit Marion Brasch,
Victoria Herrmann und Steffen Mensching
Moderation: Bianca Kellner-Zotz

Freitag, 8. Juli 2022

09:00 UhrPanel 4: Die Fernseh- und Musikwelt im Wandel
Die Transformation des ostdeutschen Fernsehens in den 1990er Jahren
Nikolai Okunew (Potsdam)
Ostrock. Rollen- und Funktionswandel der ostdeutschen Rockmusik seit den 1980er Jahren
Tom Koltermann (Potsdam)
Kommentar: Thomas Lindenberger (Dresden)
10:30 Uhr Kaffeepause
11:00 UhrPanel 5: Digitale Portale zum medialen Erbe der DDR
Online-Handbuch: „Die DDR im Film“
Daria Gordeeva (München)
Kommentar: Andreas Kötzing (Dresden)
Die Open-Memory-Box im Blick historischer Forschung
Olaf Berg (Potsdam)
Kommentar: Ralf Forster (Potsdam)
12:30 UhrMittagspause
14:00 UhrPanel 6: Berliner Pressemauer?
Elisa Pollack (Berlin) und Maria Löblich (Berlin) im Gespräch mit Susanne Lenz (Berliner Zeitung, Berlin) und Robert Ide (Tagesspiegel, Berlin)
15:00 Uhr Panel 7: DEFA-Filme
Struktur und Umbruch. DEFA-Dokumentarfilme 1989/90
Sinja Gerdes (München)
16:00 Uhr Ende der Tagung

Teilnahme und Anmeldung

Die Tagung findet tagsüber am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam statt:
Am Neuen Markt 9d, 14467 Potsdam.

Die Podiumsdiskussion am Donnerstagabend findet im Konferenzsaal des Potsdam Museums statt:
Am Alten Markt 9, 14467 Potsdam.

Die Tagung wird auch im Stream übertragen. Über diesen Zoom-Link können Sie sich registrieren: https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_T7kpfWWJRMC9-AFq7WdOEg

Die Abendveranstaltung findet nur vor Ort statt.

Die Teilnahme an der Tagung und/oder an der Abendveranstaltung ist offen für alle Interessierten und kostenfrei. Die Anzahl der Plätze vor Ort ist begrenzt, wir bitten um eine Anmeldung bis zum 4. Juli 2022 über dieses Formular: https://eveeno.com/336577388

Flyer

Kontakt

Daria Gordeeva (Koordinatorin)
Ludwig-Maximilians-Universität
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Oettingenstraße 67
80538 München
daria.gordeeva@ifkw.lmu.de

www.medienerbe-ddr.de

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Online-Konferenz: „Private Blicke in Diktatur und Demokratie: Schmalfilme und Fotos im 20. Jahrhundert“ (10./11. Dezember 2020) https://medienerbe-ddr.de/index.php/2020/11/09/online-konferenz-private-blicke-in-diktatur-und-demokratie-schmalfilme-und-fotos-im-20-jahrhundert-10-11-dezember-2020/ Mon, 09 Nov 2020 15:01:25 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1233 Am 10./11. Dezember 2020 veranstalten Frank Bösch und Sebastian Thalheim (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)) die Online-Tagung „Private Blicke in Diktatur und Demokratie: Schmalfilme und Fotos im 20. Jahrhundert“.... Read more »

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Am 10./11. Dezember 2020 veranstalten Frank Bösch und Sebastian Thalheim (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)) die Online-Tagung „Private Blicke in Diktatur und Demokratie: Schmalfilme und Fotos im 20. Jahrhundert“. Mit 14 Vorträgen, Kurzimpulsen und Diskussionen untersucht die Tagung in einer vergleichenden Perspektive private Fotos und Aufnahmen im Alltag.

Das Programm sowie weitere Informationen und Hinweise zur Anmeldung finden Sie unter https://www.hsozkult.de/event/id/event-94184

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Zweites Verbundtreffen in Potsdam: drei Workshops und buntes Rahmenprogramm https://medienerbe-ddr.de/index.php/2019/09/28/zweites-verbundtreffen-in-potsdam-drei-workshops-und-buntes-rahmenprogramm/ Sat, 28 Sep 2019 12:19:45 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1130 Knapp sechs Monate nach dem offiziellen Auftakt des Forschungsverbundes kam das Projektteam wieder zusammen. Diesmal in Potsdam, im Rahmen von moving history – Festival des historischen Films, das sich in... Read more »

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Knapp sechs Monate nach dem offiziellen Auftakt des Forschungsverbundes kam das Projektteam wieder zusammen. Diesmal in Potsdam, im Rahmen von moving history – Festival des historischen Films, das sich in diesem Jahr den Ereignissen von 1989 und der unmittelbaren Nachwendezeit widmet. Das zweite Verbundtreffen fand am 25.-26. September statt: mit drei Workshops, begleitet von einem vielfältigen Rahmenprogramm.

Das Projektteam und BMBF-Staatssekretär Wolf-Dieter Lukas. Foto: Marion Schlöttke

Tag 1

Noch am Vorabend wurde das erfolgreich gestartete Online-Archiv „Open Memory Box“ in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur präsentiert (ein Erlebnisbericht im Blog). Am Mittwochnachmittag traf sich das Projektteam am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) zum ersten Workshop. „Wissenschaft in der Öffentlichkeit“ hieß das Thema, geleitet von Michael Meyen und Daria Gordeeva.

Im Fokus der Diskussion stand das „Online-Handbuch: DDR im Film“ – das Projekt, das alle Verbundkolleg*innen miteinbezieht und einer breiten Öffentlichkeit ermöglichen wird, sich mit der filmischen (Re-)Konstruktion der DDR auseinanderzusetzen. Welche Filme „verdienen“ einen Handbuch-Eintrag? Wie machen wir das filmische DDR-Bild greifbar? Wie ordnen wir diese Filme in den Erinnerungsdiskurs ein? Viele, vor allem methodische, Fragen wurden diskutiert – und nun sind wir einen großen Schritt weiter.

Ferner ging es um das wissenschaftliche Bloggen. Michael Meyen, der bereits mehrere Blogs betreibt, plädiert für die Wissenschaft als „öffentliches Atelier“: Wir, Forscher*innen, sollten mit der Gesellschaft reden, unsere Gedanken teilen, unser Expertenwissen in die öffentliche Debatte einbringen. Gesprochen wurde jedoch auch über die Nachteile des Bloggens, vor allem für Nachwuchswissenschaftler*innen, wie Reputationsgefährdung oder frühzeitige Veröffentlichung tragender Ideen der Dissertation. Anlass zur Diskussion gab das Forschungsblog unseres Verbundes.

Pünktlich um 18 Uhr begrüßten wir Wolf-Dieter Lukas, Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das „Das mediale Erbe der DDR“ fördert. Die Verbundsprecher Frank Bösch (ZZF Potsdam) und Michael Meyen (LMU München) stellten den Forschungsverbund vor. Die anschließende Diskussionsrunde thematisierte einzelne Projekte sowie die Relevanz der interdisziplinären DDR-Forschung (ein Bericht über den Besuch von Wolf-Dieter Lukas in ZZF News). Am Abend nahm das Projektteam an der feierlichen Eröffnung des Filmfestivals im Filmmuseum Potsdam teil.

Tag 2

Am Donnerstagmorgen ging es weiter: Mandy Tröger begrüßte Verbundkolleg*innen zum Workshop „Zeitzeugen als Quelle“ – ein Thema, das für die meisten Projekte sicherlich eine Rolle spielt. Gesprochen wurde über Möglichkeiten und Grenzen von Zeitzeugeninterviews. Eine der Thesen: „Normale Menschen“ machen Geschichte erlebbar und bieten Zugang zu Privatarchiven, Netzwerken, neuen Ideen und Perspektiven. Also: Man muss mit ihnen reden, über ihre Biografien und Wendeerfahrung, ihre privaten Fotoalben und Schmalfilme, über Musik, Fernsehsendungen und Tageszeitungen. Auch der datenschutzrechtliche Aspekt durfte nicht fehlen: Olaf Berg stellte ein Formular für die Einverständniserklärung von Interviewpartner*innen vor.

Der dritte Workshop, gestaltet von Maria Löblich und Elisa Pollack, widmete sich dem Thema „kategoriengeleitetes Arbeiten“. Wie schlagen wir eine Brücke zwischen Theorie und Empirie? Wozu brauchen wir Kategorien und wie leiten wir diese ab? Wie werten wir eine schier endlose Datenmenge aus? Mögliche „Stolperstellen“ sowie Vorteile des kategoriengeleiteten Vorgehens wurden an Beispielen aus Forschungsprojekten „Mediennutzung im Lebenslauf“ und „DDR in sozialen Medien“ illustriert.

Im Rahmen der moving history AKADEMIE haben Daria Gordeeva und Peter Ulrich Weiß ihre Forschungsprojekte präsentiert: „DDR im Film“ und „Die Transformation von Fernsehen und Lebenswelt“. Im Publikum – Doktorandinnen und Post-Docs der Geschichts-, Film- und Medienwissenschaft sowie verwandter Fächer. Diese Möglichkeit haben wir auch genutzt, um mit jungen Wissenschaftlerinnen über unsere Forschungsthemen zu diskutieren sowie Ideen und Anregungen für die weitere Projektarbeit aus der „Außenperspektive“ zu bekommen.

Wie geht es weiter?

Interne Organisations- und Planungsfragen haben Projektleiter*innen und -bearbeiter*innen (der sogenannte „Mittelbau“) in parallel stattgefundenen Sitzungen besprochen. Es steht viel an:

  • Am 29.-30. November 2019 besuchen wir die Auftakttagung des BMBF-Verbundes „Erbe ’89“ in Leipzig.
  • Am 11.-12. Dezember 2019 findet im Leipziger Zeitgeschichtlichen Forum ein Treffen der BMBF-Verbünde der Fördermaßnahme „DDR-Forschung“ statt.
  • Das gesamte Projektteam kommt am 28.-29. Mai 2020 an der Freien Universität Berlin zum dritten Mal zusammen. Im Rahmen dieses Verbundtreffens wird „Das mediale Erbe der DDR“ auch seinen öffentlichen Auftakt feiern.

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Online-Archiv „Open Memory Box“: DDR-Alltag auf Schmalfilm https://medienerbe-ddr.de/index.php/2019/09/22/online-archiv-open-memory-box-ddr-alltag-auf-schmalfilm-2/ Sun, 22 Sep 2019 06:31:59 +0000 https://medienerbe-ddr.de/?p=1126 In sechsjähriger Arbeit hat ein internationales Team das innovative Online-Archiv „Open Memory Box“ entwickelt. Die Sammlung umfasst über 415 Stunden privater Filmsequenzen – von Kindergeburtstagen bis zu Begräbnissen, von 1.... Read more »

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In sechsjähriger Arbeit hat ein internationales Team das innovative Online-Archiv „Open Memory Box“ entwickelt. Die Sammlung umfasst über 415 Stunden privater Filmsequenzen – von Kindergeburtstagen bis zu Begräbnissen, von 1. Mai Kundgebungen bis zur Republikflucht –, die zwischen 1947 und 1990 von 150 Familien in der DDR gedreht wurden. Am 23. September wird das Archiv www.open-memory-box.de erstmalig der weltweiten Öffentlichkeit kostenlos zugängig gemacht.

Das Projekt wurde 2013 vom schwedisch-argentinischen Filmproduzenten Alberto Herskovits und dem kanadischen Politikwissenschaftler Prof. Laurence McFalls ins Leben gerufen. „Unsere Absicht ist, Stereotypen – sowohl schönfärberische als auch schwarzmalerische – bei der Bewertung der DDR-Vergangenheit mit einer anderen Sichtweise – wie der des intuitiven ‚Anti-Archiv’-Bereichs auf der Webseite – aufzubrechen. Wir wollen sehen, wie alte home movies aus der DDR und neue Medienformen deutsch-deutsche Erinnerungsdebatten bereichern können“, erklärt McFalls, der seit 30 Jahren die Wiedervereinigungsgeschichte von jenseits des Atlantiks beobachtet. „Der spielerische Umgang mit dem Quellenmaterial und die Emanzipation des Zufalls hinterfragen tradierte Archivansätze. Der private Blick wird öffentlich, der Schmalfilm zum Spiegel in dem wir uns selbst wiedererkennen,“ ergänzt Herskovits, der 1990 bereits seinen ersten Dokumentarfilm in der noch-DDR gedreht hat.

Mehr als 30 Mitarbeiter waren zeitweilig in Kanada, Schweden und Deutschland mit der Digitalisierung, Sichtung und Verschlagwortung von 2.238 Schmalfilmrollen beschäftigt, die im Sommer 2014 binnen weniger Wochen nach einem deutschlandweiten Aufruf eingesandt wurden. Eine Reihe neu produzierter Kurzfilme ergänzt das Archiv mit wichtiger Kontextualisierung. „Die Open Memory Box,“ meint der Experte für Mediengeschichte Professor Frank Bösch, Direktor des Leibniz- Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, „gibt Forschern und der breiten Öffentlichkeit einen einzigartigen Einblick in den privaten Alltag der DDR, ebenso in die heutige Deutung solcher Aufnahmen.“

Termine

Beim Pressetermin am 23. September, 11:00 Uhr wird „Open Memory Box“ von Alberto Herskovits und Laurence McFalls erstmals öffentlich vorgestellt. Den Startschuss zur Veröffentlichung des Archivs geben der Kanadische Botschafter, Außenminister a.D. Stéphane Dion, und der Stiftungsratsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Außenminister a.D. Markus Meckel.

Am 24. September um 18:00 Uhr wird „Open Memory Box“ bei einer Podiumsveranstaltung im Haus
der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin öffentlich präsentiert.

Am 26. September um 16:30 Uhr wird das Projekt im Rahmen des Filmfestivals moving history in Potsdam vorgestellt.

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